Selbstbestimmung

  Dem Selbst Stimme verleihen

Am liebsten möchte ich alles selbst bestimmen: Was ich den Tag über tue und was nicht, wann ich schlafe und wache, mit wem ich rede, mit wem nicht, wohin ich gehe, was ich gern umarme und was ich lieber verweigere, wie viel Geld ich habe und was ich damit mache – ganz einfach: wie ich lebe.

 

Dieser schönen Vorstellung mal eine Minute lang einen glaubwürdigen Raum zu geben ist nicht einfach.

Das Abwehrfeuer der inneren Stimmen, die sofort alle Träume nieder wälzen ist gewaltig. Die Gedanken an ein persönliches Utopia werden abgeschaltet, bevor Vorstellungen überhaupt eine Chance haben aus der Unglaubwürdigkeit in Realistisches hineinzuwachsen.

Egoismus ist ja schändlich, die Verantwortung für andere muss getragen werden, ohne die existentielle Basis gibt es schließlich kein Überleben und Werte sind dafür da, um aufrecht erhalten zu werden. Gesellschaftliche, politische und finanzielle Bedingungen sind unverrückbares Gesetz. Das alles lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren.

 

Solange diese letzte, übergreifende Regel den Vorhang schließt, bevor die Vorstellung überhaupt beginnt, gibt es tatsächlich kein Entrinnen. Und kein Weg führt zu einem freien und selbstbestimmten Leben. Erst wenn ich tatsächlich bereit bin alles wegzudiskutieren, besser noch außer Acht zu lassen, was beschränkt und begrenzt, gebe ich mir die wirkungsvolle Erlaubnis, schöpferisch tätig zu sein.

 

Eine hemmungslos unabhängige und lebenswerte Zukunft  selbst zu gestalten, ist eine mentale Arbeit, in der viel kindliches und kreatives Potential steckt. Hier wird mir bewusst, wie wenig die Stimmen der Verneinung, Ablehnung und des Ausredens mit meinem Selbst zu tun haben. Unbewusste Programmierung aus Gesellschaft, Erziehung und früh indoktrinierte Wertvorstellungen, haben schon vor langer Zeit begonnen, eine Identität in mir zu bilden und zu nähren, die ununterbrochen nach Sicherheit und Anerkennung strebt. In der fatalen Annahme, durch diese Stützen einer Auflösung in der drohenden Endlichkeit des Lebens zu entgehen.

 

Mein Selbst spricht ganz anders zu mir. Manchmal nutzt es verrückte Träumerei und Phantasie, um endlich zu mir durchzudringen. Erst der bewusste Kontakt zu meinem Selbst befähigt mich, seinem Streben nach individuellem Ausdruck und dem Genuss echter Lebensfreude eine Stimme zu verleihen. Damit wachsen die Kraft und der Mut, den ganz eigenen Weg selbst zu bestimmen.

 

Die Ergebnisse dieser Selbstbestimmung sind nicht Anarchie, Rücksichtslosigkeit oder Chaos. Das Ergebnis ist ein neuer, wunderschöner Klang im großen Orchester des Universums.



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