Wenn der Frühling kommt,

 nimmt er die Alten und Schwachen. So sagt ein alter Volksmund.

 

Es stimmt. In den letzten Winterwochen und zu Beginn des Frühlings sterben vermehrt alte und kranke Menschen. Manch einen erstaunt diese Tatsache. Herbst, November und der dunkle Winter werden viel mehr mit Trauer, Tod und Abschied in Einklang gebracht.

Wenn ich in dieses Phänomen hineinspüre, fühle ich die vertraute Schwere der Frühjahrsmüdigkeit, die mich in den ersten Wonnewochen dieser schönen Jahreszeit manchmal bremst und irritiert. Licht und Wärme kehren unter farbigem Hallo wieder, aber es scheint eine Form der Anstrengung damit verbunden zu sein. Als müsste ich, bevor ich loslaufen darf, einen Spagat durchführen und dessen Spannung erst mal aushalten.

 

Kein Wunder also, dass müde Körper, die sich auf eine große Ruhe zu bewegen, an dieser Stelle gerne abzweigen.

 

'Abgezweigt', entfernt werden im Frühjahr vom Gärtner auch die alten und schwachen Triebe der Bäume und Sträucher, um die Pflanzen gesund und stark zu erhalten und die Lebenssäfte in ein neues Wachstum zu lenken.

 

Dieses Bild spornt mich in diesen Tagen an, Altes und Schwaches auch aus meinem Leben dankbar zu verabschieden – z.B. ein paar alte und schwache Gewohnheiten - , damit meine ganze Kraft klar und präsent ist für das, was jetzt entsteht und wachsen will.

 

Altes hat sein Werk getan, es darf nun lassen. Wie tröstlich: Nichts geht verloren, sondern nur in eine frische und neue Balance.

 

Und was mal schwach war und sich löste, zeigt sich wieder in dem Fliessen junger Stärke.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0